„Unter Tage – Über Tage“ – Ein Museums- Erfahrungs- und Begegnungsort für den Bochumer Norden

 

2025-12-08  –  Erster Antrag gem. § 24 GO NRW

Seit vielen Jahren kooperiert die Kohlengräberland-Geschichtswerkstatt mit dem Bergmanns-Kameradschaftsverein Glückauf Gerthe 1891 e. V., dem Gerther Treff e. V. und dem Heinrich-von-Kleist-Gymnasium in Bochum-Gerthe.

Gemeinsam haben wir viele Projekte im Bochumer Norden verwirklicht, die auf große Zustimmung und Unterstützung der Bürgerschaft stießen. Neben zahlreichen Erinnerungsprojekten bemühten sich die „Kohlengräber“ auch stets um die Bergbau- und Alltagsgeschichte und trugen damit zur Förderung der Identität mit dem eigenen Lebensraum bei.  

Historische Sammlung des BKV Glückauf Gerthe 1891 e.V. (Foto Sebastian Sendlak)

Über 15 Jahre unterhielt der BKV Glückauf Gerthe im Kellergeschoss der Frauenlobschule in Bochum-Hiltrop ein Vereinsheim und ein Museum. Hier wurde Schüler*innen und Besuchergruppen eine umfangreiche, bergbauhistorisch bedeutsame Sammlung ausgestellt, die an die Arbeitertradition in Bochum-Gerthe und die schwere Arbeit „unter Tage“ erinnerte.

Ausstellung „Gerther Zeitreise“ am 27./28.05.2022 in der Christopherus-Schule (Foto © Gerther Treff / Klaus Gesk)

Nach langjähriger Vorbereitung fand am 27./28. Mai 2022in der Gerther Christopherus-Schule die vielbeachtete Ausstellung „Gerther Zeitreise“ statt, die in der Bevölkerung des Bochumer Nordens und in den Medien große Beachtung fand. Zahlreiche Exponate und Dokumente zur Gerther Lokal-, Industrie und Alltagsgeschichte begeisterten die Ausstellungsbesucher. Aufgrund der großen Nachfrage wurde die Ausstellung im Juli 2022 über 8 Tage zunächst vom „Bochumer Kulturrat“ im alten Magazingebäude der Zeche Lothringen wiederholt und dann im Januar 2023 ebenfalls im Bochumer Stadtarchiv gezeigt. Auch diese außergewöhnlich umfangreiche Sammlung von Alltagsgegenständen und Ausstellungstafeln ist nun leider eingelagert und steht der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung.

Schülerinnen des Unterrichtsfaches „Geschichte + X“ d. Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums und der Kohlengräberland-Geschichtswerkstatt präsentieren der NRW-Schulministerin Dorothee Feller am 17.02.2025 ihre Erinnerungsprojekte im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Demokratisch Handeln (Foto © Kohlengräberland,)
Präsentation der Projektergebnisse des Unterrichtsfaches „Geschichte + X“ am Heinrich-von-Kleist-Gymnasium in Kooperation mit der Kohlengräberland-Geschichtswerkstatt am 17.02.2025 im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Demokratisch Handeln 2025″ (Foto © Kohlengräberland,)

Die Kohlengräberland-Geschichtswerkstatt wurde für ihre Projekte zur Erinnerungs- und Gedenkkultur bei Landes- und Bundeswettbewerben ausgezeichnet. Auch die Homepage der Geschichtswerkstatt findet – auch international – große Beachtung. Nicht nur die Beiträge zur Gerther Bergbau- und Alltagsgeschichte, sondern vor allem auch die Aufarbeitung der lokalen NS-Geschichte und die Erinnerung an die Opfer des NS-Terrors, der Shoah, der Zwangsarbeit und des Bombenkrieges im Bochumer Norden stößt bei der Bürgerschaft vor Ort und in der breiten Öffentlichkeit auf große Aufmerksamkeit. Auch die Exponate und dokumentarischen Beiträge der Kohlengräberland-Geschichtswerk-statt, könnten für eine ständige Ausstellung zur Verfügung gestellt werden.

Sanierter Trakt des gegenwärtigen Schulzentrums Bochum-Nord und idealer Ort für einen Museums- u. Begegnungsort (Foto © Heinrich-von-Kleist-Gymnasium, Bochum)

Nach der Kündigung der Vereinsräume des BKV 1891 e. V. durch die Stadt Bochum im Nov. 2024 wurden wir nun aktiv. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern versuchen wir jetzt, ein ständiges Museum in dem vom Abriss bedrohten, vor einigen Jahren für ca. 5 Mio. Euro sanierten Teilbereich des Gerther Schulzentrums, zu schaffen. Hier soll dann auch eine Ausstellung zur Alltagsgeschichte der Bergmannsfrauen, zur NS-Geschichte und zur Zuwanderung Platz finden. Das Museum soll ein Erfahrungs- und Begegnungsort für Zeit- und Zweitzeugen und die bürgerschaftlichen Initiativen im Bochumer Norden werden.

Sanierter Trakt des gegenwärtigen Schulzentrums Bochum-Nord und idealer Ort für einen Museums- u. Begegnungsort (Foto © Michael Sendlack, Bochum Journal)
Skizze zum Lageplan des erhaltenswerten Gebäudeteils der HvK

Wir entschlossen uns gemeinsam, mit dem BKV Glückauf Gerthe1891 e. V., dem Heinrich-von-Kleist-Gymnasium sowie dem Gerther Treff e. V. , einen Antrag gem. § 24 GO NRW an den Oberbürgermeister der Stadt Bochum, den Stadtrat und die Stadtverwaltung zu stellen, in dem wir unsere Forderung für den Erhalt des bestehenden, sanierten Schulgebäude-Traktes und zur Schaffung eines ständigen Museums- Erfahrungs- und Begegnungsortes formulierten. Auch baten wir Kirchengemeinden, Schulen, Vereine, Verbände und öffentliche Personen schriftlich um ihre Unterstützung. Viele Solidaritätsbekundungen sind bereits eingetroffen.

Den vollständigen, begründeten Antrag gem. § 24 GO NRW sowie das Formular zur Unterstützung unser Initiative finden Sie unter den folgenden Links:

§ 24-Antrag – BKV – KL – HvK – Gerther Treff betr. Museum u. Lernort Bochum-Gerthe
Formular zur Unterstützung des Antrags

Am 23.12.2025 wurde uns von der Stadt Bochum mitgeteilt, dass über unseren Antrag am 14.01.2026 in der Sitzung des „Ausschusses für Schule und Bildung“ am 14.01.2026 entschieden werde, da Bezirksvertretungen u.a. nicht in Angelegenheiten weiterführender Schulen entscheiden würden.

WAZ Bochum, 03.01.2026

In der Sitzungsvorlage der „Zentralen Dienste“ der Stadt Bochum wurden uns ihre Gründe zur Ablehnung unseres Antrags mitgeteilt, die Sie unter dem folgenden Link im Wortlaut nachlesen können: 

Beschlussvorlage der Verwaltung (20252767)

In der öffentlichen Sitzung des „Ausschusses für Schule und Bildung“ am 14.01.2026  hatten wir die Möglichkeit zu unserem Antrag Stellung zu nehmen. Unter dem folgenden Link können Sie unsere Stellungnahme im Wortlaut nachlesen:

Rede der Antragstellenden im Ausschuss für Schule und Bildung am 14.01.2026

Bei mehreren Enthaltungen wurde unser Antrag vom Ausschuss abgelehnt, da ein Gebäudeerhalt wegen technischer und planerischer Gründe nicht realisierbar sei.

Der Vertreter der Zentralen Dienste, Herr Kai Brandt, wies zu Beginn seiner Erläuterungen darauf hin, dass sich die Vorlage der Stadtverwaltung bei ihrer Ablehnung unseres §-24-Antrags nicht gegen die Notwendigkeit eines Stadtteil-Museums richte, sondern sich ausschließlich gegen die geforderte Erhaltung und Nutzung eines Gebäudetrakts des gegenwärtigen Schulzentrums wende.

Maria-Christina Hagemeister (SPD) begründete die Ablehnung unseres Antrages mit dem großen planerischen und baulichen Aufwand, der notwendig wäre, um das Museumsprojekt zu realisieren. Man halte die Kosten und Konsequenzen, die der Antrag für das neue Schulzentrum mit sich bringen würde, für „zu überzogen“. Sie drückte die Wertschätzung der SPD für die Arbeit des BKV aus und betonte, unser Anliegen sei der SPD „schon wichtig“. Sie regte an, unser Anliegen „an den Bezirk weiterzuleiten“ und die Verwaltung zu beauftragen, „nochmal zu suchen und zu prüfen, ob es nicht ein Gebäude im Norden gäbe, damit der Verein dort seine Sachen unterbringen könnte“.

Neben Herrn Dr. Sascha Dewender (CDU) lobten auch die Vertreter der übrigen Ratsfraktionen die engagierte, verlässliche und ehrenamtliche Arbeit der Antragstellenden hinsichtlich der Traditionspflege, Erinnerungs- und Bildungsarbeit im Bochumer Norden. Die Verwaltung wird aufgefordert, eine alternative Räumlichkeit zu suchen.

In seinem Schlusswort bemerkte der Ausschuss-Vorsitzende, Ernst Steinbach (SPD), die Antragstellenden „hätten ja nur deshalb Pech gehabt, weil sie bei Ihrer Eingabe nach § 24 GO NRW eine überbezirkliche Schule ausgesucht hätten“. Er erinnerte an einen früheren Vorschlag, die ehemalige Stadtteilbücherei an der Kortebuschstraße als Museumsstandort zu nutzen und regte an, die Verwaltung solle Stellung dazu beziehen, ob z. B. die momentane Nutzung dieses Gebäudes durch die Maischützenschule unabdingbar sei, um ihren Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.

Die Stadtverwaltung solle den inhaltlichen Antrag [zur Schaffung eines Stadtteilmuseums] an die Bezirksvertretung überweisen, weil dies eine bezirkliche Angelegenheit sei und dann – in Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement – überlegt werden sollte, wie man helfen könne, einen Standort zu finden, der auch dem Anliegen Rechnung trägt. Herr Steinbach sicherte den Antragstellenden Unterstützung zu und gab die Bitte zu Protokoll, dass die Verwaltung in dieser Sache tätig werden möge.

WAZ Bochum vom 19.01.2026 zum Abriss des Schulzentrums

16.02.2025  –  Zweiter Antrag gem. § 24 GO NRW

Am 14.01.2026 wurde der erste gemeinsame Antrag (gem. § 24 GO NRW) des BKV Glückauf Gerthe 1891 e. V., der Kohlengräberland-Geschichtswerkstatt, des Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums Bochum und des Gerther Treff e. V. für einen Museums-, Lern- und Begegnungsort in einem Teilgebäude des gegenwärtigen Schulzentrums Gerthe in der 1. Sitzung des Schul- und Bildungsausschusses der Stadt Bochum mehrheitlich (bei 4 Enthaltungen) abgelehnt.

Auf Anregung des Ausschuss-Vorsitzenden für Schule und Bildung, Herr Ernst Steinbach, wurde im Sitzungsprotokoll die Bitte formuliert, „die Anregung an die Bezirksvertretung Bochum-Nord weiterzuleiten. Außerdem sollte die Verwaltung einen Kontakt zwischen dem Quartiersmanagement sowie den Unterzeichnenden der Anregung mit dem Ziel herstellen, eine dauerhafte Lösung für die Vereine zu finden.“

Seniorenquartier der VBW (Hiltroper Landwehr 57, Bochum-Gerthe (Foto: Google street view 2026-02-15)

Umgehend wurde das Quartiersmanagement Bochum-Nord tätig und bereits am 20.01.26 wurden uns die Räume des seit langem ungenutzten, ehemaligen „Sozialzentrums“, einem Treffpunkt für Bewohner und Gäste im Seniorenquartier der VBW an der Hiltroper Landwehr, als Museumsstandort vorgeschlagen.

Die bei uns Antragstellenden durch das Quartiersmanagement geweckten Hoffnungen wurden jedoch jäh enttäuscht: Man teilte uns am 04.02.2026 mit, dass es – entgegen den bisherigen Versicherungen – schon seit Längerem einen interessierten Nachmieter gäbe, dem bereits eine mündliche Zusage gegeben worden sei.

Dies veranlasste uns, einen erneuten Antrag ge. § GO NRW zu stellen und die Bezirksvertretung Bochum-Nord sowie die Stadtverwaltung um Unterstützung unseres Vereins-, Museums- und Begegnungsprojekts zu bitten und auf die VBW / VBW-Stiftung einzuwirken, um eine Entscheidung zugunsten unserer Initiative herbeizuführen. Den vollständigen Antragstext finden Sie unter dem folgenden Link:

2. Anfrage / Antrag gem. § 24 Gemeindeordnung NRW  vom 16.02.2026 für einen Museums-, Lern- und Begegnungsort („Über Tage – Unter Tage“) an der Hiltroper Landwehr 57

 

(Letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 17.02.2026)