Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Deutschland eine große Wohnungsnot, 1948 fehlten in der Bundesrepublik Deutschland rund 5 Millionen Wohnungen[i]. In Bochum waren ca. 20 % aller Gebäude durch den Bombenkrieg zerstört und unzählige schwer beschädigt worden. Allein beim Bombenangriff vom 4. November 1944, bei dem rund 1400 Menschen starben, wurden ca. 70.000 Menschen in Bochum über Nacht obdachlos.

Nach dem Krieg benötigten Ausgebombte, Heimkehrer, Vertriebene und Flüchtlinge dringend Wohnraum. Die provisorisch geschaffenen Notunterkünfte boten keine Zukunftsperspektive, um die für den „Wiederaufbau“ benötigten und angeworbenen Jungbergleute an den Wirtschaftsstandort Bochum zu binden.
Um für die Bergleute und ihre Familien im Bochumer Norden angemessenen Wohnraum zu schaffen, wurde der Bau der „Bergarbeitersiedlung Hiltroper Heide“ geplant. Die Finanzierung erfolgte mit Mitteln des amerikanischen „Marshall-Plans“, (European Recovery Program) der den Wiederaufbau Deutschlands mit 55 Millionen Dollar unterstützte[ii]. Durch Kredite konnte – neben 8 anderen Städten im Ruhrgebiet – auch in Bochum-Hiltrop eine große „MSA-Siedlung“ (Mutual Security Agency) nur für Bergleute gebaut werden.

Das Baugelände der Siedlung erstreckte sich zwischen der Frauenlobstraße, dem Castoper Hellweg, dem „Schwarzen Weg hinter dem St. Maria-Hilf-Krankenhaus und der Kath. Kirche, der Hiltroper Landwehr, der Karl-Ernst-Straße sowie der Promenade im Hiltroper Volkspark von der Frauenlobstraße zur Karl-Ernst-Straße.

Vorgesehen waren insgesamt 399 Hauseinheiten mit 506 Wohnungen in zehn verschiedenen Haustypen mit Wohnflächen zwischen etwa 60 und 90 Quadratmetern.
Am 1. August 1952 wurde mit dem Straßenbau und den Kanalisationsarbeiten begonnen. Wenige Wochen später, am 18. August 1952, forderte die Architektengemeinschaft Buderus/Arent interessierte Firmen auf, Angebote für den Bau der „MSA-Bergarbeitersiedlung Bochum – Gerther Heide“ einzureichen.
Vom 2. bis 8. September 1952 wurde interessierten Bürger*innen die gesamte Siedlung als Modell in der Aula der Eifelschule in Hiltrop-Bergen präsentiert. Einige Häuser waren als vergrößerte Modelle ausgestellt, sodass Besucher die geplanten Grundrisse und Raumaufteilungen besichtigen konnten.
Am 1. Oktober 1952 begannen dann die Hochbauarbeiten an den Siedlungshäusern, Träger und Verwalter der Baumaßnahme war die Bochumer Heimstätten GmbH (heute VBW).

Bereits am 10. April 1953 konnte gegen 16 Uhr das Richtfest für die ersten Eigenheime gefeiert werden. An der Feier nahmen zahlreiche Gäste teil, darunter Vertreter der Marshall-Plan-Mission, Abgesandte der Bundes- und Landesregierung, Oberbürgermeister Heinemann sowie Vertreter von Gewerkschaften, Betriebsräten und Banken.

Ab Mai 1953 erstellten die Betriebsräte eine Bewerberliste für die neuen Eigenheime und schon ein halbes Jahr vor der geplanten Fertigstellung hatten sich 252 Bergleute der Zeche Lothringen und 126 Bergleute der Zeche Constantin sowie der Zeche Mont Cenis entschlossen, Eigenheimbesitzer zu werden. Auswahl und Zusagen wurden von den Betriebsräten und Vertretern der Gewerkschaft IG Bergbau beraten. Die Straßennamen innerhalb der Hiltroper MSA-Siedlung wie z. B. „Im Aufbruch“, „Am Bremsberg“ oder „Am Füllort“ waren – in Hinblick auf die Berufe der Bewohner und zukünftigen Eigenheimbesitzer in der Siedlung – bergbaulichen Begriffen entlehnt.

Die ersten Familien konnten dann im November 1953, also nur ein Jahr nach Baubeginn, ihre neuen Wohnungen beziehen. Am 15. November zogen zunächst 56 Familien in die „Neubausiedlung Hiltroper Heide“ ein, Ende November folgten weitere 90 Familien.
Im Dezember 1953 erhielten nochmals 140 Familien ihre neuen „MSA-Wohnungen“. Die restlichen Häuser sollten bis Januar 1954 fertiggestellt werden. Die Bewohner gründeten bereits 1954 die „Siedlergemeinschaft Hiltroper Heide“.
Mit dem Wachstum der MSA-Siedlung entstanden auch soziale Einrichtungen: Am 23. Mai 1956 wurde der evangelische Kindergarten an der Dreihügelstraße eröffnet, im März 1957 nahm der katholische Kindergarten an der Dreihügelstraße 28 seinen Betrieb auf.

Der Kaufpreis lag je nach Haustyp und Größe zwischen 20.000 und 29.000 DM. Bei einem Kaufpreis von etwa 20.000,- DM pro Haus und einem Monatslohn von 400,- bis 600,- DM veranschlagte man Abzahlungszeiten von 40 bis 50 Jahren. Für das Eigenheim mussten jetzt durchschnittlich 95,- DM abgezahlt werden, während eine gleichgroße Mietwohnung monatlich nur 38,- DM kostete.[iii]. Einen wichtigen Abschluss fand die Entwicklung der Siedlung im Jahr 1964: In diesem Jahr wurden die Häuser ihren Bewohnern mit der Eintragung ins Grundbuch als Eigentum überschrieben. Damit wurde für viele Bergarbeiterfamilien der Traum vom eigenen Haus Wirklichkeit.

An die Kredite der Amerikaner waren für den Bau und die Lage der Siedlung auch Vorgaben gebunden: Die Planer forderten, Kleinwohnungen zu einem Festpreis möglichst billig zu errichten; der soziale Wohnungsbau sollte gefördert werden[iv]. Weil die Bergleute bei der Arbeit „unter Tage“ so lange das Tageslicht und frische Luft entbehrten, sollten die Häuser große Fenster haben, auch wurde auf die Begrünung der Siedlung großer Wert gelegt. Die amerikanischen Kreditgeber begrüßten von vornherein den Siedlungsbau neben dem Hiltroper Volkspark. Auch sollten im Baugebiet möglichst viele der vorhandenen großen Bäume erhalten werden.

Neben großzügigen Grünflächen innerhalb der Siedlung waren Vorgärten und hinter den Häusern Gartenflächen zur Selbstversorgung der Familien eingeplant. Jedes Haus verfügte über Heizung, eine vom Wohnbereich getrennte Küche, ein Badezimmer sowie eine eigene, volleingerichtete Waschküche.
In den Jahren 1952/1953 wurde der Bau der Bochumer MSA-Siedlung in einem Film von Fritz Lüty im Auftrage der Architekten-Arbeitsgemeinschaft Arns – Buderus für die Bochumer Heimstätten GmbH dokumentiert. Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung der „Siedlergemeinschaft Hiltroper Heide“ im „Verband Wohneigentum NRW e. V.“. zur Veröffentlichung dieses Filmbeitrags.
(Letzte Aktualisierung dieses Beitrags am 02.06.2026)
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[i] Hans H. Hanke: Eigenheime – Bewohnte Bollwerke der Demokratie; https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00042632/Hans_H_Hanke_pdfa.pdf
[ii] https://www.hdg.de/lemo/bestand/medien/video-marshall-plan.html
[iii] [iii] Hans H. Hanke: Eigenheime – Bewohnte Bollwerke der Demokratie; https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00042632/Hans_H_Hanke_pdfa.pdf
[iv] Walter Spiller: Chronik über 75 Jahre Kreisverband Bochum im Verband Wohneigentum von Walter Spiller
